Mittwoch, 4. Februar 2009

Ach so!

Was lesen meine müden Augen in der heutigen WAZ? Der Papst ist Opfer eines hinterhältigen Schachzuges geworden!
Man nahm das Holocaust-Leugnungsviedeo im Dezember auf, der Papst rehabilitiert/exexkommuniziert (was er genau tat, müssen Sie bitte die kath. Kleriker fragen, wir Laien haben alle eh keinen Dunst und sind uninformiert und denkfaul und sensationsgeil) Williamson im Januar, einen Tag später erscheint das Video und paff. Der Papst wurde hereingelegt, so die Kirche.
Warum? Weil die Hereinlegenden, die Streichspieler, die Beinchensteller nicht möchten, dass sich der Papst an die Piusbruderschaft annähert. So die Theorie des Vatikan laut WAZ. Laut Spiegel Online einfach nur, um dem Papst zu schaden.
Ob das stimmt? Keine Ahnung. Ob das stimmen könnte? Machen Sie sich selbst ein Bild (Vorsicht, nicht für Menschen mit schwache Mägen oder Anstandsgefühl).
Die von mir verlinkte Postille gilt als Haus- und Hof-Organ der Piusbruderschaft. Wer wirklich hinter diesem stinkenden Kübel von Juden-, Homosexuellen-, Frauen-, Freiheits-, Demokratie- und Aufklärungsverachtung steht, ist umstritten. Fest steht, und das geben die Artikel her, dass die Piusbruderschaft da äußerst hoch im Kurs steht, so wie der Server der Seite in Kalifornien steht, und das aus gutem Grund, hier in Deutschland wäre sie schon längst vom Staatsschutz dicht gemacht orden. Die dort Postenden? Deutsche Ärzte, Akademiker, Kleriker (bis auf die letzteren auch häufig Familienväter).
Es wird kein Zweifel gelassen, dass die Piusbruderschaft niemals das 2. Vatikanische Konzil anerkennen wird, man werde jetzt (nach der Rehabilitierung), "den Vatikan bekehren".
Im übrigen ist auch der Rest des Weltbildes erfrischend schlicht und abgeschlossen:
Homosexuelle -> "Homo-Peverse"
HIV -> "Homo-Seuche"
Die Grünen -> "Blut- und Homo-Partei", "Die Linksextremen und Kinderschlächter"
Abtreibende Frauen und Ärzte -> "Kinderschlächter"
Soweit so schlecht. Die Piusbruderschaft ist ein Verein antidemokratischer Wirrköpfe, die die Uhr gerne um ein paar hundert Jahre zurückdrehen würden. In so fern wäre es ja gar nicht so verwunderlich, wenn jemand die Verbrüderung mit der Piusbruderschaft verhindern wolle.
Und jetzt zur Gretchenfrage.
WER? Wer um Himmels Willen spielte dem Papst denn so übel mit?
Ich löse auf: Laut WAZ und Spiegel Online Frauen, und nicht nur Frauen, sondern antiklerikale Frauen, und nicht nur antiklerikale Frauen, sonder antiklerikale Lesben!
(Pause für Gelächter)
Geht es noch billiger, bitte schön?
Anstatt den Anstand zu haben und zuzugeben, dass etwas wohl grundlegend falsch gelaufen ist (worin, ausser im Vatikan, weltweit Einigkeit herrscht, sogar unter ranghöchsten katholischen Würdenträgern), geht man im Vatikan hin und friemelt eine Dolchstoßlegende, deren Urheber angeblich auch noch die ohnehin perfektest denkbaren Feindbilder sind, nämlich lesbische Frauen, in Zusammenarbeit mit einem schwedischen Fernsehsender, Protestanten also?
Billig, billig. Und traurig, irgendwie, du. Und irgendwie propagandamäßig nicht ungeschickt, die eigenen Schäfchen werden das zuhauf fressen und sich in ihren Vorurteilen bestärkt sehen.
Ich kann hier als Filmfreundin nur fragen: "quo vadis?" Oder in meinen eigenen Worten:
"Geht's noch tiefer?"

3 Wortmeldungen:

fabian hat gesagt…

der tag, an dem die kirche bzw religion abgeschafft wird, den streich ich mir dick im kalender an, ob lebendig oder tot. ;) eine farce par excellence ist das.

Charlotte hat gesagt…

Ich glaube, dass Religion/Glaube für viele Menschen wichtig ist, eine Hilfe und Stütze.
Schwierig wird es nur, wenn sich Extremisten/Hassprediger (seien es Piusfratzen oder lebende Knallfrösche)jedweder Ausrichtung in den Religionsbetrieb schieben und ihr fieses Getue auch noch als "Glaube" bezeichnen. Uargs.
Und die faulen Pöstchenschieber, die sich auf Kosten (seelische und faktische) der Menschen einen Lenz machen und sich auch noch zur Krone der Schöpfung erklären, sind auch nicht der Brüller. Von den vielen guten Taten, die Seelsorger vollbringen, weil sie ihren Job ernst nehmen, erfährt man nur nie was, weil die nicht schlagzeilenträchtig sind.
Aber Glaube an sich find ich eigentlich sogar gut. Jedenfalls hat er viele Menschen schon zu erstaunlichen (guten) Taten bewegt.

fabian hat gesagt…

hm hm hm. es ist eben das problem, dass glaube allzu oft missbraucht wird und/oder in seinem namen alles gerechtfertigt wird. und seien wir mal ehrlich: es gibt keinen gott, noch mehrere. ;) man kann auch so – ohne einen religiösen glauben – gute taten vollbringen. für eine lektüre sei da der dawkins empfohlen mitsamt seinem gotteswahn. ein bissken trocken das ganze, aber nicht verkehrt. sei dem auch wie, ich ess jetzt erstmal was zu mittag!