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Dienstag, 23. September 2008

It's magic, Babe. Dankbarkeit.

Der magische Laden, ihr wisst schon. Er lehrte mich manches in meinem Leben, so auch Dankbarkeit. Folgendes trug sich zu, kurz und bündig.
In der Bezahlschlange eine Frau vor mir, zwischen 60 und 70, klein, dick, ne übelst sitzende Perücke auf dem Kopf, neben sich die erwachsene Tochter, die man, je nach Alter oder Political-Correctness-Grad als mongoloid, Downi oder Trisomie-21-geprägt bezeichnen würde, aber sonnig gelaunt. Die Mutter mit der schlecht sitzenden Perücke macht alles in allem keinen frohen Eindruck, sie wirkt gedrückt und klein und schwer und unendlich müde. Nach dem Bezahlen steht sie mit ihrer Tochter am Einpacktisch und packt ein, da kommt eine gleichalte Frau mit einem gleichalten Sohn angeschlenzt, der Sohn auch gehandicapt, weiß nicht, womit, aber eindeutigst gehandicapt, und die Mutter auch so müde irgendwie, und die grüßen sich alle, alte Bekannte, und ich denk schon, au scheiße, die etwas andere Krabbelgruppe, da fragt die Mutter vom Sohn:
"Und, Frau X, ihren Mann habense heute zuhause gelassen?"
Da sagt Frau X:
"Ne, der ruht sich aus, der hat doch morgen Dialyse."
Und da dacht ich mir, Charlöttchen, dacht ich mir, ist schon alles ganz gut so, wie es ist. Man kann nicht meckern.

Dienstag, 9. September 2008

Die Entdeckung des Himmels.

Einer meiner drei absoluten Oberlieblingsromane. Und aus aktuellem Anlass muss ich einmal eine kleine Sequenz nacherzählen:

Einer der Protagonisten, Max, ist Astronom von Beruf, aber er schaut nicht in die Sterne, sondern er horcht eher, er arbeitet in einem Radioteleskop, in Leiden, glaube ich. Seit Tagen beschäftigt ihn ein "Hintergrundrauschen" im letzten Winkel des Alls, eine seltsame Frequenz, ein Gewurstel, das eigentlich keinen Sinn macht, anfangs dachte man gar ein einen Messfehler. Jetzt sitzt Max im nächtlichen Garten, leert eine Flasche Rotwein, starrt in die Sterne und denkt nach. Über das seltsame Rauschen. Und dann trifft ihn die Erkenntnis. Er weiß, was das Rauschen darstellt, das ihm immer so vor kam, als solle es eigentlich verdeckt werden: Er ist Gott auf die Schliche gekommen, er hat den Himmel entdeckt.
Er springt auf, höchst erregt und euphorisch, will ins Haus laufen, um seine Freundin zu wecken, da trifft ihn ein kleiner, aber wirkungsvoller Komet und er fällt tot um. Weil der Himmel lieber unentdeckt bleiben möchte.

Und jetzt lese ich über Cern, den Teilchenbeschleuniger, und die Hoffnungen, die man in die Ergebnisse der ab morgen stattfindenden Protonen-Rallye steckt. Über die Entstehung des Universums.
HALO-HO? Jemand mal Mulisch gelesen?
Wenn das mal gut geht. Es gibt ja einen Tübinger Physik-Professor, der Stein und Bein schwört, dass die Erde untergeht, wenn die ab morgen anfangen, Protonen zu schleudern, weil sich dann schwarze Löcher bilden, welche die Erde verschlucken werden. Ich sach mal nix. Nur so viel: Der Himmel lässt sich nicht gerne in die Karten schauen.

Samstag, 23. August 2008

It's magic Babe. Grandezza.

Die Schlange vor dem Pfandautomaten, erinnert sich noch der Eine oder Andere? Komische Leute, kleine Mäuschen? Dieser Laden mit dem Pfandautomaten ist magic. Da erlebe ich seit über zehn Jahren die seltsamsten Dinge. Ich sag nur: "Natur oder im Golddarm?" Oder der SMler. Oder die Rouladen-Oma. Aber das sind andere Geschichten.
Heute war ich wieder da, Altflaschenzeugs wegbringen, vor mir eine kurze Schlange. Ganz vorne füttert ein Mann den Automaten, eine Flasche nach der anderen; der Mann hat eine Plastiktüte umhängen, in der sind viele Flaschen, neben sich einen geleerten Kasten Bier, auf dem Kasten eine Tüte voll mit Pfandflaschen, um sich herum weitere drei Tüten mit Pfandzeugs. Und wissen Sie, was ich immer denke, wenn ich so Leute mit viel Altflaschenzeugs vor mir sehe? "Schlampe", denk ich dann (auch bei Männern), "Schlampe. Zu faul, regelmäßig dat Zeuch mal rauszutragen. Oder am besten noch irgendwo einsammeln, die Flaschen, für die paar Fennich. Ne Schande ist das." So denk ich dann. Ausser, wenn ich da vorne in der Schlange steh und den Automaten mit 500 Flaschen füttere und die Blicke der hinter mir stehenden mir Löcher in den Pulli brennen. Dann denk ich mir nämlich: "Starrt ihr nur, ihr Loser, hat halt nicht jeder Zeit, mit jeder geleerten Pulle gleich in den Laden zu rennen, es gibt auch noch Leute, die arbeiten und dem Staat nebenher auch noch ein paar Steuerzahler erziehen. Und ich geb hier nur Wasser zurück, wenns einen interessieren sollte. Für Bier hab ich nun wirklich keine Zeit." So denk ich dann, wenn ich vorne stehe.
Aber heute steh ich in der Schlange und brenne folgerichtig kleine Wutstarrlöcher in das rückwärtige Sakko des Vorderen. Zusammen mit dem Rest der Wartenden starre ich und verbreite Unmut. Der Vordere scheint das langsam zu merken, und er knickt ein; da, wo die Schnur der Tüte sich quer über seinen Rücken zieht, färbt sich das Sakko langsam dunkel, dem Typen läuft der Streßschweiß literweise den Körper runter. Er wird immer fahriger, und irgendwann drückt er entnervt auf den Bonausdruckknopf, er bricht ab und lädt den nächsten in der Schlange vor, mit einer resignierten Handbewegung.
An dem Punkt war ich schon echt peinlich berührt, weil der Typ so komisch war. Der trug grauenhafte Klamotten, und alles in Grautönen, ein graues Sakko, ein graugemustertes Hemd aus den 80ern, eine graue Hose. Eindeutig ein bereits oder demnächst den Fängen der Gesellschaft Entronnener, der sich in ca. drei Jahren auch keine Sorgen mehr um seine Miete machen muss. Und dennoch... Ihn umwehte, neben abgestandenem Bier, eine seltsame Aura. Rein vom Gesicht und Ausdruck her hätte er ein Wissenschaftler vom nahegelegenen Max-Planck-Institut sein können. Aber der Gestank und die Klamotten sprachen eine andere Sprache.
Ich also noch am hin- und herschwanken, was ich von dem Vogel eigentlich halten soll, der die ganze Zeit seine Tüten in gespielter Geschäftigkeit umherschiebt und murmelt, weil ihm das ganze so furchtbar peinlich ist, und dabei ab und an eine Tüte umschubst, was ein lautes Geklirr verursacht, was ihm dann noch tausend mal peinlicher ist, ich bin also hin- und hergerissen, als es geschieht: Der Mann zieht ein Stofftaschentuch raus (grau), was mich nicht verwundert, denn sein Gesicht ist von dem ganzen Streß und der Peinlichkeit klatschnass, aber er wischt sich nicht die Stirne, sondern er preßt sich das Taschetuch vor den Mund und starrt auf das Tütenmalheur, und für eine schreckliche Sekunde sieht er nicht aus wie ein Mann, der sich noch daran gewöhnen muss, ein Penner zu sein, sondern er ist original eine russische Fürstin, die an einem kalten Wintertag im Jahr 1917 einen letzen Blick auf ihr zerstörtes Palais wirft, bevor sie Rußland den Rücken kehren wird und nach Rumänien gehen oder an die Côte d'Azur. Eine Geste voll Verlorenheit und Verzweiflung, so echt, dass ich wieder den Blick abwende, diesmal nicht wegen der Peinlichkeit, sondern aus Achtung. Ehrlich jetzt. Ernst.
Aber jetzt kommts: Als ich nochmal hingucke, mir den Knaben nochmal anschauen will, da sehe ich, dass sein Taschentuch, dieses Requisit seiner ganz, ganz großen Geste, ein alter Tennissocken ist! Hat man noch Worte? Wischt der sich mit einem alten, verschossenen Tennissocken (Fila, glaub ich) das Gesicht ab, und verbreitet dabei eine solche Grandezza.
Mir war der Tag gerettet, aber voll.

Dienstag, 19. August 2008

Sching, schang, schong,

Schinese im Katong.

Hab mich bisher ja kaum zu den Spielen geäußert, was für mich als Kosmopolitin nicht geht.

Also.

Guckt man die Läufer, Kurzstrecke, sprechen die Kommentatoren von Doping, bevor die Sportler in den Startblöcken hocken. Guckt man Schwimmen, wo dieser Androide eine halbe Stunde vor dem Rest anschlägt, schluchzen die Kommentatoren vor Euphorie: "Phelps, Du bist ein Teufelskerl!", "Phleps, Du Gott!", das ist ja schlimmer als bei Frau Riefenstahl. Da sage ich laut: "NEIN!". Denn: Entweder ist man ehrlich, und sagt: "Na gut, sie dopen ausnahmslos alle, denn man tau. Ist ja schön bunt, trotzdem." Oder aber, man schiebt den Moralischen, und sagt: "Igitt, die dopen ja alle, da guck ich lieber meiner Waschmaschine beim Schleudern zu, das ist so schön sauber", dann ist das auch gut. Aber Jamaikaner zu verurteilen, bevor sie auch nur losgelaufen sind, und einen hochgezüchteten, roboterartigen US-Bürger mit Phantasialand-Leistungen abzufeiern, das ist nicht nett. Da bekomme ich schon wieder Weltverschwörungstheorien, so eklatant war das.


Meine Favoritin dieser Spiele heißt übrigens Olga Korobka.
Womit diese Dame dopt, ist sonnenklar: Mit Muttis Serviettenknödeln!



Der Fabian Hambüchen hat heute schwer mütterliche Saiten in meinem Herzen angeschlagen, wie er da so saß und seiner Silbermedaille zuschaute, wie sie davonflog, diese anrührende Mischung von Wut und Traurigkeit. Mann, mann. Gut, dass er seinen Papi dabei hatte.

Heute hab ich zum erstem mal Dressurreiten geschaut, also richtig aufmerksam geschaut, und da sah ich, dass dem Pferd zur Hälfte der Kür der Schweiß von der Stirne rann und der Sabber literweise aus dem Maul; dagegen sah seine Reiterin wesentlich frischer aus, mit ihrem pfiffigen Zylinderhütchen. Als das Pferd dann zum Lied "Like a Puppet on a String" seine komischen Hüpfer machen musste, bekam ich Ebenen-Geschwurbel und fühlte mich sehr unwohl. Im Zylinder und Fräckchen mit hochmütiger Attitüde andere schwitzen lassen: Da können die Olga und ich nur verächtlich schnauben.
Generell fällt mir das Zuschauen nicht so leicht: Beim Gewichtheben hauts mir die Bandscheiben raus, nur vom Hingucken, beim Turmspringen habe ich immer Angst, dass die sich den Schädel am Brett zuschanden schlagen, beim Barren heult die Orthopädin in mir, beim Dressurreiten werd ich moralisch; man hat es nicht leicht.
Schwimmen guck ich gerne, da geht die Verletzungsgefahr stark gegen null, aber da ärgere ich mich über den phlegmatischen Phelps (denn, so flott der auch im Wasser ist, an Land wirkt er seltsam gedämpft, also so kopfmäßig jetzt). Naja.
Vor Jahren (Ja-ren-den, wie meine Frau Mutter sagt, wenn es wirklich lange her ist), da gabs nen Witz, meine ich jedenfalls:
F: "Wie heißt die Hauptstadt von China?"
A: "Do-Ping."
Bild ich mir das ein? Kennt den noch jemand? Dreh ich langsam durch? Wie alt ist der Witz denn? Hülfe. Ich mach jetzt Schluß, gucke Dr. House. Vielleicht gibts da was über Sportverletzungen (Letztens, im Film, sagte ein Hypochonder, nachdem er ein wirklich ekliges und langes Buch über Krankheiten gelesen hatte: "Ich hatte ja keine Ahnung, wie krank ich bin.")

Samstag, 7. Juni 2008

Prince wird 50. Leckofanni. Da kann ich ja mal langsam die Stützstrümpfe rausholen, oder was?

Dienstag, 29. April 2008

Ich finde, die ARD könnte mal wieder Falcon Crest zeigen, das habe immer sehr gerne geschaut. Dann könnte ich wieder meine Multitaskingfähigkeiten unter Beweis stellen.
Fernsehen und Chicken Wings knabbern beispielsweise.
Lebt Jane Wyman noch?
Wer sind die ganzen Besucher aus den USA auf meinem Blog? Eine verschollen geglaubte Schulkameradin? Religiöse Fanatiker? Ein Abmahnanwalt, der gerade meinen Untergang schmiedet, mit diabolischem Lächeln?
Wenn der Europroliterbenzin durch die Zweieuroschallmauer donnert, geb ich ne Party, dann lade ich alle Strudelfutz-Leser, die Lust haben, auf ein kühles Altbierchen auf meinem Balkon ein.
Prost.

Freitag, 18. April 2008

Primärschlüsselspalte

Da ich das Jammern ja zur Kunst erhoben habe, stelle ich direkt mal wieder eine philosophische Frage:
Was ist schlimmer als keine Arbeit?
Richtig! Arbeit!
Ich muss übersetzen, vom Deutschen ins Englische, und deshalb lautet mein Wort des Tages definitiv:
Primärschlüsselspalte.
Und nein, ich übersetze nicht für ein zwielichtes Unternehmen.
Primärschlüsselspalte. Hat man so etwas schon gehört? Wie überaus ennuierend. Primary key column übrigens. Mannometer.
Da jammere ich noch über Teilchenbeschuss, und jetzt sitz ich so richtig dick drin im lauten Nichts.
Eine Spalte von Tausenden in einer von zahllosen Tabellen, alle in einer Datenbank und miteinander auf das Verwirrendste verbunden, in einem Programm von vielen in einem Betriebssystem, das ganze als nicht greifbares virtuelles schwirrendes Eins und Null und An und Aus in einem gülden glitzernd kleinen Ding, vielleicht nicht größer als mein Daumennagel, gelötet auf eine flache Scheibe mit metallenen Adern drin, das ganze nicht größer als ein Taschenbuch. Das dann in einem Plastikhäuschen, das brummt. Hergestellt wahrscheinlich von einem unglücklichen kleinen Chinesenbuben, der still in seinen Reis weint.
Das schwirrt ja mal wieder ganz vortrefflich. Da wird die Sinnsuche zum dornigen Weg, wenn ich mich mal so blumig ausdrücken darf.

Montag, 14. Januar 2008

3,5 Wörter, die einen Unterschied machen II

Mir fiel ein zweites Wort ein, dessen Betonung über seinen Sinn entscheidet. Da sich um diese Spielerei eine sehr nette Anektode rankt, folgt zur genauen Erklärung erst mal etwas Kultur:

Friedrich Nietzsche

Vereinsamt

Die Krähen schrein
Und ziehen schwirren Flugs zur Stadt:
Bald wird es schnein, -
Wohl dem, der jetzt noch - Heimat hat!

Nun stehst du starr,
Schaust rückwärts, ach! wie lange schon!
Was bist du Narr
Vor Winters in die Welt entflohn?

Die Welt - ein Tor
zu tausend Wüsten stumm und kalt!
Wer das verlor,
Was du verlorst, macht nirgends Halt.

Nun stehst du bleich,
Zur Winter-Wanderschaft verflucht,
Dem Rauche gleich,
Der stets nach kältern Himmeln sucht.

Flieg, Vogel, schnarr
Dein Lied im Wüstenvogel-Ton! -
Versteck, du Narr,
Dein blutend Herz in Eis und Hohn!

Die Krähen schrein
Und ziehen schwirren Flugs zur Stadt:
Bald wird es schein, -
Weh dem, der keine Heimat hat!

So weit, so kühl. Dieses Gedicht nun hatte meine beste Freundin in ihrer Abi-Klausur zu interpretieren. Und während sie da saß und schrieb, begab es sich, dass, nach ca. drei Stunden, ein junger Mann aus ihrem Kurs sich vor die Stirn schlug und rief: "Ach, vereinsamt!"

Er hatte nämlich die ganze Zeit den Titel des Gedichts als Vereinsamt, Vereins-Amt also, gelesen. Und versucht, sich einen Reim darauf zu machen. Und zu interpretieren. Die Kälte in deutschen Amtsstuben? Der Mensch als verlorene Gestalt in anonymen Behörden? Drei Stunden lang. In einer Abi-Klausur wohlgemerkt. Das Ergebnis war wohl auch leider dementsprechend.
Daran sieht man, dass die richtige Betonung zeitweise sehr wichtig sein kann.

Freitag, 4. Januar 2008

2,2 Dialog des Tages

... aus "Der Partyschreck", mit Peter Sellers:

"Ihre Frau ist ins Wasser gefallen!!!"
"Retten Sie ihren Schmuck."

Donnerstag, 27. Dezember 2007

Der schlechteste Film...


nicht des Jahres 2007, sondern aller Zeiten, ist definitiv und eindeutig und zweifelsohne:
"Der große Walzer", "The great Waltz", USA 1972. Regie Andrew L. Stone, mit Hotte Buchholz und Mary Costa.

Das beste an der Weihnachtszeit sind die Filme, und so habe ich auch dieses Jahr wieder alles mitgenommen, was die Glotze hergab.
Sternstunden: "Fanny und Alexander" und die "Airport"-Trilogie. Ganz großes Kino.
Dann "Armageddon", der kleine verschämte Quickie im Vorübergehen. Konsumieren, vergessen, bis zum nächsten mal.
"Ladykillers" gabs und die vier Marples. Soweit alles schön im Lack.
Bis auf diesen "Großen Walzer", Lebensgeschichte des Johann Strauss Sohn. Dargestellt von Hotte Buchholz. Mannometer. Da tanzen die ganze Zeit Leute durch Wien, und singen dabei und haben furchtbar entschlossen gute Laune, die Frauen alle mit diesen dicken 70er-Jahren rotblonden Perücken und tonnenweise Mascara, die Typen alle mit Schnauz, verwandeln die Wiener Innenstadt und das Umland in eine endlose Showtreppe, von der das Zombie-Ballett herabschreitet.
Man bekommt das beklemmende Gefühl, dass die Macher und Konsumenten des Films allen Ernstes glaubten, dass die Menschen im Wien des 19. Jahrhunderts sich ausschließlich singend und (Formations)-tanzend durch die Gegend bewegten.
Traurigster Höhepunkt: Abtrashen im Biergarten.
Strauss ist da mit seiner Geliebten, die ist Opernsängerin, und auf einmal wieder eine dieser herrlich spontanen, natürlichen Szenen: Strauss hat wie aus dem Nichts eine Geige in der Hand, seine Olle sitzt auf einmal an einem Klavier, mitten auf der Wiese, nee, is klar. Das Lied, das die beiden performen, ist so bescheuert, und dann kommen die Biergartengäste (das Showtreppenballett) und tanzen, und das Lied hat einen schelmischen Inhalt, und deshalb zwinkern sich der Walzermensch und seine Nachtigall immer an und grimassieren, und das ganze wird immer extatischer, die Tänzer auch, und dann spielt er auf der Geige das Hauptthema vom Lied, sie auf dem Klavier, und dazu singt sie Koloraturen über die Melodielinie, und die Tänzer zerreissen sich schier vor Euphorie, und das ist der Punkt, wo man glaubt, in einen Fiebertraum von Liberaces Uropa geraten zu sein. Gefangen in einer Vision von "Extasys" grobschlächtigen Vetter "Mordsgaudy".
Irgendwie hatten da Homosexuelle ihre Hand mit im Spiel. Die vielen Schnäuzer und Männerwaden und Fummel. Ich weiß nicht.
Der einzige Mensch, der eine solche Orgie ertragen hätte, wäre meine Tante Hildchen gewesen, die goutierte sowas. Aber auch nur sie.

Dienstag, 18. Dezember 2007

Insel?

Steh beim Thalia an der Kasse. Eine von 2 Kassen geöffnet. Schlange bis Bottrop-Kirchhellen. Am Verpacktisch 2 Mitarbeiterinnen schwer mit Nichtstun beschäftigt. Die eine Kassiererin zischt was Lautes in den Raum. Eine weitere Mitarbeiterin erscheint gelangweilt aus dem Off. Die Schlange zweiteilt sich unübersichtlich. Eine ältere Dame fragt die hinzugekommene Kassiererin höflich, ob sie sich hier am Ende der Schlange befände. Kassiererin (genervt und herablassend/belustigt):
"Das müssen Sie mich nicht Fragen. Ich hab das Chaos hier nicht verursacht. Fragen Sie die anderen Kunden."
Warum ich in solchen Situationen nicht zum einem gezielten Nackenschlag aushole, weiß ich selber nicht.
Meine Insel wartet. Muss nur noch im Lotto gewinnen. Und einmal im Monat verfüttere ich dann zu meiner und meiner Gäste Belustigung eine Kassiererin an die Haie.

Dienstag, 11. Dezember 2007

Ich will meine Insel.

Ich fahre eben mit dem Auto auf den Parkplatz der Videothek. Ich will mir einen Film leihen.
Der Parkplatz ist nur für Kunden der Videothek, kostenlos, und liegt in einem Innenhof, da fährt man sone Durchfahrt durch. Innenstadt + kostenlos + Weihnachtsmarkt, man ahnt es schon. Proppenvoll. Die Videothek übrigens gähnend leer. Der Parkplatz ist so voll, dass nichts mehr geht, auch nicht Wenden. Lauter abgestellte Wagen, weit und breit kein Mensch.
Direkt hinter mir kommt ein Kleinwagen mit jungen Männern mit Migrantenhintergrund angerollt, dahinter noch ein Wagen.
Ich muss stehen bleiben, weil nach vorne nichts mehr geht. Die hinter mir auch in die Eisen.
Ich nehme es gelassen und stelle den Motor ab und betrachte. Ob die sich wohl alle kennen, die sich da gegenseitig blockieren. Oder ob das ne dufte Massenschlägerei gibt am frühen Abend. Wann ich wohl zu hause sein werde. Solche Dinge.
Dann, endlich, das Unvermeidliche. Der aus dem hintersten Wagen, der in der Toreinfahrt zum stehen kam und uns allen den Rückweg versperrt, steigt aus.
Ich sehe im Rückspiegel Kinn, Bauch, weiße Haare und eine Helmut-Schmidt-Mütze auf mich zukommen. Mütze guckt sich den Schlamassel an, klopft an meine Scheibe, ich mach die Tür auf.
Mütze: "Blockiert" (kleine Pause für den Effekt) "haben SIE."
Ich guck einmal über den Parkplatz, guck Mütze an, und sage "Hä?"
Mütze: "Sie hätten nur vorfahren müssen und wenden, dann wären wir hier alle weg."
Wären wir nicht, ich stünde nur Angesicht zu Angesicht mit den Vollidioten, die hinter mir die Ausfahrt versperren, aber ich spüre instinktiv: Mütze hat Logik nicht auf der Tageskarte. Mütze hat schlechte Laune, weil er keinen Parkplatz bekommen hat, und weil Mütze fürchtet, von dem Istanbul-Express hinter mir bei Gemoser eventuell eins auf dieselbe zu bekommen, hat er sich eben die Frau rausgepickt, um Dampf abzulassen. Weil Frauen ja eh nicht fahren können. Womit er vollkommen recht hat, Frauen können weder Einparken noch Ausparken noch Wenden. Die bewegen ihren Wagen immer so, als könne ihm ein Nagel abbrechen, dem Süßen, oder die Inneneinrichtung Schaden nehmen.
Aber ich bin nicht Frauen.
Ich bin die Einparksau. Ich schätze Abstände auf den Millimeter richtig. Meine fürs Einparken zuständige Hirnregion quietscht vor Sauberkeit, die werde ich nach meinem Ableben der Wissenschaft spenden, so siehts aus.
Und auf diesem Parkplatz war nichts zu wollen.
Da hätte selbst der uneheliche Sohn von Schumi und David Copperfield gestreikt. Ich also extragiftig bis gewaltbereit geguckt und gesagt: "Hier wenden? Wie denn?" Mütze hat sein Pulver aber schon verschossen und verzieht sich grummelnd, wir dann im Entenmarsch die Pöchen rückwärts vom Parkplatz gefriemelt.
45 Sekunden später seh ich auf meinem Heimweg Mütze an der Straße an einem Parkscheinautomaten stehen, in einiger Entfernung, ich aber trotzdem auf die Bremse gelatscht, Scheibe runtergekurbelt und gebrüllt: "Der Parkplatz war nur für Kunden der Videothek!", der ertappte Mütze macht nur eine "Komm, Mädchen, verzieh Dich"-Handbewegung, woraufhin ich "Präpotenter Sack, eyh"! brülle und Gas gebe.
Aber irgendwie hat mir das keine Erleichterung verschafft.
Ich war an diesem Tag wohl die einzige Einwohnerin unserer Stadt, die in diese Videothek wollte, was nicht ging wegen zehn Millionen Idioten, die zu geizig sind, zwei € fürs Parken zu bezahlen, um mich dann von Jupp Paselacki belehren zu lassen? Der sich jetzt gerade bei seiner Frau über die frechen Frauen von heute ausheult?
Ich will meine Insel. Nur für mich und alle, die mir lieb und theuer sind. Yeah.

Sonntag, 26. August 2007

Heute vor 33 Jahren...

sah die Welt so aus:




Glückwunsch, Alter!!!



Aber jetzt kommt noch eine Gratulantin zu Wort, unsere lang verschollen geglaubte Tante Synforosa Kakeldei:



"Mein lieber Claus, aus dem herrlichen Montevideo, wo ich mit Erfolg eine Partnervermitttlung für wohlsituierte deutsche Auswanderer betreibe, sende ich Dir die herzlichsten Grüße zu Deinem Wiegenfeste. Leider bin ich immer noch alleine - welch Ironie bei meinem Beruf - aber ein Vollblutweib wie mich kann nicht jeder Mann halten! Es grüßt Dich herzlichst Deine Tante


Synforosa"



Wer mir den bürgerlichen Namen von Synforosa Kakeldei verraten kann, darf mir einen Pflaumenkuchen mit Schlagsahne backen, auf den ich seit dem 13.07. warte. Einbackschluß ist der 30.09.07, Familienmitglieder ausdrücklich eingeschlossen.

Sonntag, 1. April 2007

Wofür? Dafür!

Ich habe "Troja" geschaut, im ZDF, denn ich ahnte schon vorher, dass das nicht mein Film würde, und da wollte ich nicht Geld für eine DVD ausgeben, oder eine Kinokarte, die GEZ-Gebühren sind wahrlich genug.
Der Film ist ja selten bescheuert, so ein Krampf, die Mißgeburt einer versuchten Vereinigung von "Gladiator" und "Herr der Ringe" irgendwie, echt traurig, so traurig wie Herr Pitt im Röckchen. Daumen runter, aber mit Nachruck. Da fragt man sich: Wofür?
Aber ein anderes "Wofür" wurde beantwortet, wir saßen letztens im Auto, die ganze Familie, und ruckelten durch eine Waschstraße, ein Miniausflug, Phantasialand für Kurzentschlossene quasi, und ich ärgerte mich schon wieder über die unmotiviert von der Decke schladdelnden Filzstränge, von denen mir erzählt wird, sie polierten den Wagen, da kräht die Rosafarbene auf dem Rücksitz: "Yeah, tanzt, Leute!".
Ach so!